Jan 23 2012

Kalk macht dicht 2.0 28.01.12

No way! Den Rassisten-Marsch von Pro Köln erneut verhindern

Für den 28. Januar hat die extrem rechte “Bürgerbewegung” Pro Köln einen erneuten Aufmarsch in Köln-Kalk angekündigt. Zum dritten Mal innerhalb von nur 10 Wochen ist damit der multikulturelle Stadtteil Demonstrationsziel von Rassisten und Faschisten. Ein kurzer Rückblick:

Bereits am 19. November versuchte Pro Köln die Bevölkerung in Kalk rassistisch aufzuhetzen, indem man gegen “Linksextreme und Kriminelle mit Migrationshintergrund” wetterte, die angeblich den Stadtteil terrorisieren. An diesem Tag hatte sich ein breites Netzwerk aus verschieden lokalen Gruppen und Initiativen unter dem gemeinsamen Motto “Kalk macht Dicht” erfolgreich gegen die rechte Propaganda gestellt und deutlich gezeigt, dass Pro Köln im Stadtteil unerwünscht ist.

Am 10. Dezember waren es Neonazis aus dem Umfeld des Kölner Neonazi-Anführers Axel Reitz, die eine Demonstration unter starkem Protest der Bürger und Bürgerinnen in Kalk und Humboldt-Gremberg abhielten. Axel Reitz soll laut einem Bericht des WDR Kontakte zur rechten Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) gepflegt zu haben, von denen unter anderem der Nagelbombenanschlag in der Köln-Mülheimer Keupstraße verübt wurde. Anmelder dieser Demonstration war René Emmerich aus Köln, der noch bei der Kommunalwahl 2009 für Pro Köln antrat. Hier schließt sich wiederum der Kreis zwischen der vermeintlichen “Bürgerbewegung” und militanten Neonazis.

Die Ankündigung von Pro Köln zu demonstrieren, “damit Köln auch zukünftig eine liberale, weltoffene und pluralistische Metropole bleibt”, ist eine Farce angesichts solcher personeller Verflechtungen und sich immer wiederholender Kapagnen seitens Pro Köln gegen Moscheen, MigrantInnen, Homosexuelle und all jene, die nicht in ihr menschenfeindliches Weltbild passen.

Wir werden es auch am 28. Januar nicht zulassen, dass RassistInnen in Kalk aufmaschieren können. Wie im November rufen wir dazu auf Kalk dichtzumachen. Kommt deshalb ab 9 Uhr auf die Kalker Hauptstraße um für ein solidarisches Zusammenleben in Kalk und gegen Rassismus ein Zeichen zu setzen. Sie werden auch diesmal nicht durchkommen!

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Jan 23 2012

Aufruf zur antifaschistischen Demo in Dortmund am 17.03.12

AUFRUF – WIR KÖNNEN AUCH ANDERS!
- Demonstration -

Wir können auch anders – Widerstand gegen Cops, Staat und Repression

Wir alle kennen das, ob auf antifaschistischen Demonstrationen, Antinazidemos oder auf Antiglobalisierungsprotesten, kurz gesagt immer da wo Menschen die Entwicklung der Gesellschaft kritisieren und sich den Verhältnissen von Herrschaft und Ausbeutung widersetzen, steht uns Aktivist_innen ein riesiges Aufgebot der Polizei gegenüber, dass uns mit Schlagstöcken, Reizgasen, Wasserwerfern, Hundestaffeln und auch Schusswaffen entgegentritt.
Jedes Jahr werden tausende Menschen durch Schläge, Tritte oder Folter von Polizist_innen verletzt oder durch deren Waffen getötet.
Aus diesem Grund werden am 17. März 2012 bereits zum 16. Mal am internationalen Tag gegen Polizeibrutalität Menschen auf die Straße gehen.
Auch wir setzten uns nun zum 3. Mal mit dem Thema auseinander und wollen in Dortmund demonstrieren.

Von Repression in Dortmund…

Anlass besteht zur Genüge.
Eine große Anzahl von Polizeiskandalen und Gewaltexzessen macht es erneut deutlich, wie wichtig es ist sich gegen Polizeigewalt zu wehren.
Eines der größten Beispiele ist die Repression gegen die Antifaschist_innen und Antirassist_innen die am 2. und 3. September 2011 den Naziaufmarsch in Dortmund verhindern wollten.

Der Republikanische Anwaltsverein berichtet von massiver Missachtung der Grundrechte, rechtswidriger Freiheitsentziehung aufgrund fehlender Haftrichter in der Gefangenensammelstelle und unverhältnismäßigen Knüppel und Pfeffersprayeinsätzen.

Viele Anwält_innen wurden in ihrer Berufsausübung durch die Polizei eingeschränkt, da es ihnen mehrfach nicht gestattet wurde Kontakt zu ihren Mandant_innen aufzunehmen.
Der hochgerüstete Repressionsapparat schützte die Nazis durch die Abriegelung eines gesamten Stadtteils, attackierte alle die sich diesem näherten und prügelte den Nazis letztendlich den Weg frei.

In Folge der gezielten Eskalationsstrategie wurde mindestens eine Person bis zur Ohnmacht geprügelt, viele weitere erlitten schwere Prellungen und Blutergüsse am ganzen Körper sowie blutende Verletzungen an Hinterkopf, Mund und Nase.
Da auch auf fliehende Nazigegner_innen eingeschlagen wurde erlitten etliche Verletzungen und Schürfwunden aufgrund von Stürzen auf den Asphalt.
Dabei drohten und beleidigten die Polizist_innen ihre Opfer mit Sprüchen wie: „Jetzt hauen wir den Schwuchteln richtig auf die Schnauze!“

Doch die wohl erschreckenste Form der Gewalt war der flächendeckende Einsatz von chemischen Kampfstoffen, die ohne Vorwarnung gegen alle Menschen eingesetzt wurden, die sich der „Roten Zone“ näherten.
Die Polizei handelte dabei keinesfalls ausschließlich gegen sie gefährdende Personen, sondern kontaminierte ganze Straßenzüge ohne Rücksicht auf Demonstrant_innen, Passant_innen und Journalist_innen.
Gegen fliehende oder am Boden liegende Menschen wurden die Reizgase ebenfalls gezielt eingesetzt.
Auf diese Weise wurden im Laufe des Tages hunderte Menschen an den Augen, den Atemwegen und der Haut verletzt. Dutzende Personen hatten Kreislaufprobleme infolge der Gaswolken und der Paniksituationen.

…und den Todesopfern

Der Einsatz von Pfefferspray ist überaus gefährlich und die schweren physischen Folgen sind noch nicht gänzlich bekannt.
Der Einsatz von Reizgasen kann in Kombination mit Allergien, Erkrankungen der Atemwege oder Drogenkonsum schnell zum Tod führen.
Ein trauriges Beispiel für diese Gefahr ist der Übergriff auf einen 32-Jährigen Dortmunder am 23. Juni 2010.
Anwohner_innen alarmierten die Polizei da der Mann zur nächtlichen Uhrzeit starken Lärm verursachte.
Der scheinbare Routineeinsatz endete tödlich.
Die Polizist_innen entschlossen sich dazu, den Mann der sich gegen seine Festnahme wehrte, durch den Einsatz von Pfefferspray “zu beruhigen”.
Durch das Reizgas ging der Mann zu Boden und verlor das Bewusstsein, er kollabierte noch auf dem Weg zum Krankenhaus.
Wenige Stunden später starb er aufgrund eines „Multiorganversagens infolge eines schweren Kreislaufschocks“.
Einen unsachgemäßen Einsatz von Pfefferspray habe es laut Ermittlungen jedoch nicht gegeben.
Der plötzliche Tod wurde allein dem Drogenkonsum des Opfers zugeschrieben.
Am selben Abend demonstrierten über 50 Angehörige und Freund_innen des Opfers vor der Polizeistation in Dortmund-Mengede.

Ein weiteres Todesopfer aus Dortmund ist der 23-Jährige Dominique Kouamadio, der am 14. April 2006 im Stadtteil Eving von der Polizei erschossen wurde.
Laut Aussage der Beamt_innen habe er sie mit einem Messer angegriffen.
Doch die genauen Umstände geben ein Rätsel auf.
Augenzeugen berichten, dass sich zwischen Dominique und den Beamten mehre Meter abstand befanden, als diese das Feuer eröffneten.
Die Schüsse trafen ihn sowohl in das linke Bein als auch in die Brust.
Doch warum schossen die Polizist_innen einem bereits verletzen Menschen gezielt in die Brust?

Die folgenden Proteste wurden ebenfalls von Repression überschattet, so gestattete man den Demonstrant_innen nicht, die Polizei als Verantwortliche für Dominiques Tod darzustellen.
Seine Freund_innen und Familie fordern noch heute die Aufklärung der Todesumstände.
Der Kampf bleibt international
Auch in allen anderen Staaten der Welt werden fortschrittliche Menschen täglich Opfer von der Repression staatlicher Organe.
Beispielsweise sind in der Türkei im Jahr 2010 die Arbeiter_innen eines staatlichen Konzerns in den Streik gezogen, um gegen die geplante Privatisierung zu Demonstrieren, welche mit Massenentlassungen einhergegangen wäre.
Der staatliche Repressionsapparat versuchte diesen Streik mit dem Einsatz von Wasserwerfen und Pfefferspray niederzuschlagen.

Wegen eines angeblichen Putschversuches werden in der Türkei all jene festgenommen, die dem Staat ein Dorn im Auge sind.
Darunter fallen Parteien, antikapitalistische Organisationen, aber aber auch Journalist_innen und ranghohe Militärs.
Seit dem Beginn des so genannten “Ergenekon-Ermittlung” sind hunderte Menschen festgenommen worden.
Ähnlich wird auch im Iran gegen die kommunistische Opposition vorgegangen.
Nach der Revolution von 1979 begann die Regierung mit Massenverhaftungen und Massenhinrichtungen, die sich bis in die heutige Zeit ziehen.

Auch werden Proteste gegen die Regierung blutig niedergeschlagen, zuletzt im Jahr 2009, als sich nach der Präsidentschaftswahl bei den Protesten gegen den amtierenden Präsidenten Achmadinidschad, bis zu 3 Millionen Menschen landesweit versammelten.
Es gab mehrere tausend Festnahmen.
Die Anzahl der Toten ist unbekannt.
Aber auch auf der anderen Seite des Globus sind Menschen der Willkür und der Repression des Staatsapparates unterworfen.

In Chile wurden im Jahr 2011 mehrere Hundert Schüler_innen und Student_innen beim Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray verletzt.
Das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt.

Es ist das System

Wenn Menschen von Polizist_innen verprügelt oder sogar getötet werden ist das abscheulich.
Doch manche repressiven Instrumente werden neben der exekutiven des Staats oft übersehen.
Gegen Polizeibrutalität zu demonstrieren ist wichtig, doch sind Brutalität und Unterdrückung Mittel zur politischen Machtausübung.
Diese äußert sich immer in Form von Gewalt.

Die ausführende Gewalt beschränkt sich nicht nur auf Polizist_innen die unter anderem damit beauftragt sind Demonstrant_innen zu verprügeln.
Es sind auch andere unterdrückende Instrumente wie Schulen, in welchen Lehrer_innen damit beauftragt werden junge Menschen zu gehorsamen und fleißigen Staatsbürgern zu erziehen, sowie Behörden, die damit beauftragt sind Flüchtlinge in Abschiebeknäste zu stecken oder desozialisierte Menschen zu schikanieren.
All diese Beamt_innen erhalten die Legitimation für ihr scheußliches Tun durch Gesetze und die gesetzgebende Gewalt. Das sind in Deutschland der Bundestag und die jeweiligen Landesparlamente.
Verstößt jemand gegen ein geltendes Gesetz, beginnt ein komplexer Prozess der ausführenden Gewalt mit dem Ziel, den Störenfried dingfest zu machen und vor die richtende Gewalt zu stellen.
Diese entscheidet dann in Form von Richter_innen in welchem Maße der oder die Schuldige bestraft werden soll, um ihn oder sie mit Gewalt und Unterdrückung zum Gehorsam zu zwingen.

Gewalt ist Alltag

Betrachten wir die Definition von Gewalt, nach der unter den Begriff Handlungen, Vorgänge und Szenarien fallen, die auf Menschen, Tiere und Gegenstände beeinflussend, verändernd und/oder schädigend einwirken, dann müssen wir feststellen, dass unser gesamtes Leben durch Gewalt bestimmt wird.
In jeder Phase unseres Lebens gibt es Menschen die die Macht dazu haben ihren Willen gegen unseren per Gewalt durchzusetzen.
Aus Angst vor Bestrafung und weiteren Folgen akzeptieren wir diese Autoritäten.
Die meisten Menschen nehmen diese alltägliche Gewalt jedoch nicht nur hin, sie halten diese auch noch für notwendig.
Dies liegt an der ständigen Atmosphäre der Konkurrenz und dem Glauben der Staat sei als Aufsicht notwendig.
Doch ein Staat wird in seinem Handeln nicht durch den Willen seiner Bürger_innen eingeschränkt.
Im Gegenteil, er emanzipiert sich von der Zustimmung seiner Bürger_innen durch das Gewaltmonopol.
Naziaufmärsche, die gegen den Willen der Bürger_innen durchgesetzt werden, sind hierfür ein gutes Beispiel.
All das nehmen die Menschen aber leider als selbstverständlich hin, sodass sie nicht hinterfragen wozu der Einsatz von Gewalt dient, sondern diese lediglich auf ihre gesetzliche Legitimation hin prüfen.

Wenn zum Beispiel ein „unrechtmäßiger“ Polizeieinsatz bei einer Demonstration untersucht wird, ertappt man etliche Kritiker_innen beim Vorwurf die Polizeibrutalität hätte gegen das Gesetz verstoßen.
Sie kritisieren also nicht die Gewalt die von sämtlichen Polizist_innen verkörpert wird, sondern nur solche Gewalt, die „ungesetzlich“ angewandt wird.
Damit arrangieren sie sich nicht nur mit den herrschenden Verhältnissen von Gewalt und Ausbeutung, sie geben den Akteur_innen einen Freifahrtschein.
Aus diesem Grund sehen wir in der Ablehnung der staatlichen Gewalt einen ersten Schritt hin zu einer befreiten Gesellschaft.

Wir können auch anders!

Wir wollen uns nicht mit diesen Verhältnissen arrangieren, denn Gewalt und Unterdrückung dürfen nicht akzeptiert werden.
Wir fordern ein schönes Leben für alle Menschen.
Doch das kann nur in einer von Konkurrenz und struktureller Gewalt befreiten Gesellschaft funktionieren.
Um so einen Zustand zu erreichen, müssen wir den größten Gegner dieses Zustandes überwinden.
Das ist zweifelsfrei jeder Staat, der durch den Einsatz der drei Gewalten die bestehenden Verhältnisse aufrecht hält.
Für ein schönes Leben in Abwesenheit von Herrschaft und struktureller Gewalt brauchen wir keine Regierungen, keine Monarchen und keine Religionen.
Wir brauchen lediglich unsere Mitmenschen.

Doch bis es soweit ist, wollen wir daran arbeiten die Ablehnung von Herrschaft und Repression in der radikalen Linken zu verstärken, denn diese hat mit organisierten Nazibanden, gesellschaftlichem Rassismus und Antisemitismus, sexistischen Medien und Kriminalisierung durch den Staat an vielen Fronten zu kämpfen.
Dazu kommt, dass die exekutive Gewalt am brutalsten gegen jene Menschen vorgeht, die Autorität und Herrschaft kritisieren oder gegen diese vorgehen.
Kurz, radikale Antifaschisten und Antifaschistinnen.
Deshalb ist es wichtig, die Diskussion in emanzipatorischen Kreisen zu führen, und die gemeinsame Kritik durch öffentlichen Protest in die Gesellschaft zu tragen.

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Jan 19 2012

SA. 4.2. ANTIFA-DEMO IN AACHEN: ANTIFASCHISTISCH DENKEN – HANDELN – LEBEN!

In der Region Aachen ist seit einigen Jahren ein verstärktes Auftreten von militanten Neonazis zu beobachten. Hauptakteure sind die Kameradschaft Aachener Land (KAL), die dieses Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, und die NPD, inhaltlich und personell ineinander verzahnt. Bei beiden handelt es sich um Organisationen, die den NS-Faschismus verherrlichen, faschistische und rassistische Menschenbilder propagieren und Menschen bekämpfen, die entweder nicht in ihr rassistisches Weltbild passen oder die sie als politische Gegner_innen wahrnehmen.

Neben direkten Angriffen auf politisch Unliebsame führen KAL und NPD in der Region verstärkt Aufmärsche durch. Seit 2008 marschieren sie jährlich zweimal in Stolberg auf, um dort gegen eine herbei fantasierte „Inländerfeindlichkeit“ zu demonstrieren und die dort lebenden Migrant_innen zu bedrohen. In Aachen selbst fanden in den letzten vier Jahren insgesamt vier neonazistische Demonstrationen statt. Zu beobachten ist eine zunehmende neonazistische Organisierung verbunden mit dem Bestreben sich in der Stadt breit zu machen. Dem wollen wir etwas entgegensetzen! Deswegen gehen wir am 04.02.2012 um 18h auf die Straße und zeigen den Nazis, dass sie weder in Aachen noch sonst wo etwas zu suchen haben und ihre faschistische Propaganda auf Widerstand stößt!

Auf die Straße für ein antifaschistisches Leben!

Antifaschistische Demonstration | Sa. 4. Februar 2012 | 18 Uhr AZ Aachen

Mehr Infos, Material und den kompletten Aufruf auf:afademo.blogsport.de


Jan 3 2012

Antifa-Demo am 4. Februar 2012 in Velbert

Im kommenden Februar jährt sich zum 17. mal der Todestag Horst Pulter´s – am Sonntag, den 05.02.1995 wurde der damals 65-jährige Obdachlose im Velberter Herminghauspark von sieben Neonazis zunächst als »Penner« und »Scheißjude« verhöhnt, zusammengeschlagen und später getötet. Im dritten Jahr in Folge gedenken wir nun diesem Opfer rechter Gewalt und sozialer
Ausgrenzung.

Zwar erkennt der zuständige Staatsanwalt damals eine „rechtsradikale, menschenverachtende Gesinnung“ der Täter, doch Polizei und Politik verschweigen diese Tatsachen bis heute.

Dieses konsequente Leugnen von rechtsradikalen Strukturen in Velbert zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch den lokalpolitischen Alltag. „Wir wollen die erfolgreiche Arbeit des Judoclubs nicht kaputt machen.“ So kommentiert die Velberter Politik es wenn öffentlich wird, dass der 2. Vorsitzende des lokalen Judovereins ein polizeibekanntes Mitglied der lokalen Neonaziszene ist.Die Tatsache, dass ein Inhaber einer Musikschule gleichzeitig auch NPD-Unterstützer ist, wird von der
Stadt ganz offiziell mit „wir müssen uns neutral verhalten“ kommentiert.
Regelmäßig tauchen im Stadtbild rechte Schmierereien und Aufkleber auf, Pöbeleien gegen und tätliche Angriffe auf mutmaßliche Antifaschisten sind an der Tagesordnung. Zu all dem gibt es keinen Kommentar von der Stadt – im Gegenteil: Velberter Polizisten sprechen im WAZ-Interview ganz offen über Vorbehalte gegenüber Ausländern.Ein Dezernent der Stadt glänzte erst kürzlich im Zusammenhang mit den katastrophalen Bedingungen im lokalen Asylbewerberheim mit einer zutiefst menschenverachtenden und rassistischen Stellungnahme in einem Interview mit Sat1.

Diese erschreckende Häufung nicht hinnehmbarer Vorkommnisse hat uns dazu veranlasst, die diesjährige Gedenkdemo zum Tod Horst Pulters auch dafür zu nutzen, die alltägliche, rassistische und menschenverachtende Politik der Stadt in den Fokus der Öffentlichkeit zu ziehen.

Am Samstag, den 4. Februar 2012 werden wir daher also unter dem Motto „Kein Vergeben, kein Vergessen“ im Gedenken an alle Opfer rechter Gewalt, sozialer Ausgrenzung und rassistischer Asylpolitik in Velbert demonstrieren.

Helft uns, ein klares antifaschistisches Zeichen in den braunen Alltagstrott zu setzen, denn es gibt kein ruhiges Hinterland. Wir haben Flyer, Plakate und Aufkleber drucken lassen, um auf dieses wichtige Anliegen aufmerksam zu machen. Das Mobimaterial ist bei uns anzufragen. Wir denken ihr habt Verständnis dafür dass wir nur solche Anfragen bearbeiten, die klar als ehrliche Anfragen zu identifizieren sind. Nutzt also bitte eure bekannten Mailadressen für Mobistuff-Anfragen, teilt unseren Aufruf und veröffentlicht ihn auch in euern Blogs und auf euern Internetseiten.

Ebenfalls ist unter www.roter-shop.de diverser Soli-Kram (T-Shirts, Kapuzis, Aufkleber, Buttons) zu bestellen, deren Einnahmen uns in unserer antifaschistischen Arbeit unterstützen würden.

Außerdem haben wir auf Youtube ein Mobi-Video zu der kommenden Demo veröffentlicht:
http://www.youtube.com/watch?v=Zybj9QbIMsU


Dez 14 2011

Wuppertal: Kein Fußbreit dem Faschismus!

Die internationale, türkisch-kurdisch-alevitisch-deutsche Initiative «Wuppertaler Aktionsbündnis», die bereits am 04.November mit einer internationalen antifaschistischen Demonstration in Wuppertal-Elberfeld ein Zeichen gegen Faschismus gesetzt hatte, das damals weit über 1.000 Menschen auf die Straßen der Innenstadt brachte, ruft für Donnerstag erneut zu Demonstrationen auf. Gemeinsam, u.a. mit der Antifa, der «Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen» und dem Aktionsbündnis basta!, wird anlässlich der skandalösen Vorgänge um die soganennte «NSU» und die dabei offensichtlich gewordenen Verstrickungen staatlicher Stellen in den Nazi-Terror um 18:00 Uhr zunächst vor dem Wuppertaler Polizeipräsidium eine Kundgebung abgehalten. Dabei soll den durch Neonazis Ermodeten gedacht werden.

Die AufruferInnen stellen aber weiterhin auch fest, dass Naziterror und seine staatliche Duldung keine isolierte Angelegenheit eines Bundeslandes oder einer Stadt sind. Sie gehen davon aus, dass die Mörder lokale Helfer hatten, die ihrerseits Schutz von den örtlichen Behörden erhielten, u.a. auch in Dortmund. In diesem Zusammenhang wird auf die in letzter Zeit viel diskutierte Tatenlosigkeit der Wuppertaler Polizei und der Wuppertaler Justiz gegenüber den hiesigen Nazistrukturen verwiesen. (Siehe auch die Videos des Wuppertaler Medienprojekts oben rechts.)

Im Anschluss gibt es eine Demonstration in Wuppertal-Vohwinkel, um im hauptsächlich betroffenen Stadtteil ein starkes antifaschistisches Signal zu setzen.

Do., 15.12., 18:00 Uhr Kundgebung am Polizeipräsidium

Do., 15.12., 19:30 Uhr Treffpunkt Schwebebahnstation Vohwinkel

Nachfolgend dokumentieren wird den Aufruf.
«Kein Fußbreit dem Faschismus..!!!»
«Fasizme Ayak Bastirmayacagiz..!!!»

*** ***

Kein Fußbreit dem Faschismus!
Schluss mit der Zusammenarbeit von Geheimdiensten, Polizei und Justiz mit Nazis!

Wir sind erschüttert. Und gleichzeitig ungeheuer zornig. Jeden Tag hören und lesen wir neue Einzelheiten zu den faschistischen Morden einer nazistischen Terrorgruppe an mindestens zehn unserer Mitmenschen in Nürnberg, München, Kassel, Hamburg, Dortmund und Rostock, sowie in Heilbronn. Mit jeder neuen Nachricht wird die Gewissheit größer, dass staatliche Stellen den Nazi-Terror nicht nur deckten, sondern tief in ihn verstrickt sind.
Wir klagen das an.

Bestürzt registrieren wir, dass die deutsche Öffentlichkeit mehrere Tage brauchte, bis ein rassistisches Wort wie «Dönermorde» weitgehend aus den Medien verschwunden ist. Es zeigt, dass rassistische Ansichten in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft noch immer das Denken und Handeln bestimmen.
Wir klagen das an.

Wütend verfolgen wir die auch jetzt noch fortgesetzten Versuche, über eine «Extremismus»-Debatte menschenverachtende faschistische Ideologie und linke, emanzipatorische Ansichten gleichzusetzen und damit indirekt rechte Gewalt zu rechtfertigen und den Untätigen Alibis für fehlende Zivilcourage zu liefern.
Wir klagen das an.

Wir denken an viele Genossen und Genossinen, die in Deutschland nach  § 129 a und b verurteilt im Gefängnis sitzen, weil der Vorwurf der «Bildung einer terroristischen Vereinigung» als Allzweckwaffe gegen linken Widerstand eingesetzt wird – auch gegen antifaschistisch agierende Gruppen. Und wir sehen bekennende, gefährliche Nazis frei herumlaufen, vorzeitig aus der Haft entlassen, ausgestattet mit «guten Sozialprognosen» – und geschützt von etwas, das in der Türkei «tiefer Staat» genannt wird.
Wir klagen das an.

Angesichts der massenhaft ungeklärten Fragen im aktuellen Fall der sogenannten «Thüringer Terrorzelle» erinnern wir an die vielen früheren Verbrechen der Faschisten, die niemals aufgeklärt wurden, und bei denen deutsche staatliche Stellen wie Geheimdienste, Polizei und Justiz immer wieder zweifelhafte Rollen gespielt haben.

Wir erinnern an das Münchner «Oktoberfestattentat» im Jahr 1980 mit dreizehn Toten und über 200 Verletzten.

Wir erinnern an die seit 1990 weit über einhundert, durch Nazis auf den Straßen, Plätzen und in den Häusern dieses Landes getöteten Menschen.

Wir erinnern an die Pogrome gegen Flüchtlinge in Hoyerswerda oder Rostock und an die folgende Abschaffung des Asylrechts.

Wir erinnern an den Brandanschlag von Mölln. Und wir erinnern uns natürlich an die mörderische Brandstiftung in Solingen auf das Haus der Familie Genç, bei dem fünf Menschen starben.

Wir erinnern uns daran, dass auch damals schon eine Verbindung zum Verfassungsschutz sichtbar war. Und wir erinnern daran, dass unter der Leitung der Wuppertaler Polizeibehörde eine bis heute lückenhafte und fragwürdige Aufklärung des heimtückischen Massenmordes betrieben wurde.

Wir klagen an, dass die gleichen Polizei- und Justizbehörden aus Wuppertal bis heute von Nazis bedrohte Menschen allein lassen. Dass Polizei und Politik in dieser Stadt durch eine vorauseilende Extremismusdefinition rechter Gewalt Vorschub leisten. Wir klagen an, dass in allen Bereichen antifaschistische Aktivitäten behindert werden, während die bekannten Wuppertaler Nazis gleichzeitig ungestört agieren und agitieren können. Wir klagen an, daß Ermittlungsverfahren wie beispielsweise jenes zum Überfall auf das Kino in Elberfeld früh- und vorzeitig eingestellt werden, ohne wichtige Zeugen zu befragen, oder Beweise zu sichern.

Wir stellen uns inzwischen die Frage, wieviele «V-Leute» in Wuppertal in die nazistischen Aktivitäten verwickelt sind. Wir wollen wissen, ob die auffallende und zuletzt auch öffentlich kritisierte Tatenlosigkeit der Wuppertaler Polizei mit einer Verstrickung des nordrheinwestfälischen Verfassungsschutzes oder eines anderen Geheimdienstes mit den Nazigruppen begründet werden muss – so, wie es in Thüringen offenbar der Fall war.

Wir stellen fest, dass – anders als uns Politiker und viele Medien glauben machen wollen – Naziterror und seine staatliche Duldung keine isolierte Angelegenheit eines Bundeslandes oder einer Stadt sind. Zu Recht wird davon ausgegangen, dass die Mörder lokale Helfer hatten, die ihrerseits Schutz von den örtlichen Behörden erhielten, unter anderem also in Nürnberg, Dortmund oder München.

Obwohl wir eine lückenlose Aufklärung der Morde durch die Thüringer Terrorgruppe fordern, ist deshalb klar, dass es ist jetzt nicht damit getan ist, den speziellen Thüringer Fall zu untersuchen und anzuklagen.

Vielmehr muss es darum gehen, die Kumpaneien und die direkte oder indirekte Zusammenarbeit von Geheimdiensten, Polizei und Justiz mit den Nazibanden in jedem Ort und in jeder Stadt aufzudecken und zu beenden. Die allgegenwärtigen Strukturen der staatlichen Deckung für Faschisten müssen angeprangert werden!

Am 15. Dezember wollen wir deshalb vor dem Wuppertaler Polizeipräsidium demonstrieren, den Opfern faschistischer Gewalt gedenken, und die lokalen Behörden auffordern, jetzt endlich die WuppertalerInnen zu schützen. So wie es die Polizeipräsidentin Rademacher ständig verspricht.

Wir fordern die Wuppertaler Polizei auf, ihre eigene Tatenlosigkeit zu beenden und antifaschistische Aktionen nicht weiter zu behindern. Wir fordern die Wuppertaler Justiz auf, zu ermitteln und eindeutig überführte nazistische TäterInnen vor Gericht zu stellen. Und wir fordern die Wuppertaler Öffentlichkeit auf, in ihrem Engagement für diese Forderungen nicht nachzulassen.